
Dieser Ingenieur wird von seiner Firma zu einem mehrmonatigem Aufenthalt nach Japan geschickt, wo er mit einer Gruppe japanischer Ingenieure gemeinsam an einem Projekt arbeiten soll. Er spricht gut Englisch, ist ein kompetenter Fachmann auf seinem Gebiet, und seine Firma erwartet von ihm, mit den Japanern zu verhandeln, das Projekt auszuarbeiten, und möglichst innerhalb des gegebenen Zeitrahmens zu verwirklichen.
Er sieht dieser Chance positiv entgegen, da er nicht nur seine technischen Fähigkeiten unter Beweis stellen kann, sondern auch internationale Erfahrungen sammeln kann. Im Laufe seines Aufenthaltes scheint es keine größeren sprachlichen Probleme auf beiden Seiten zu geben, und die Zusammenarbeit verläuft dementsprechend auch problemlos. Es gibt auch keine offensichtlichen Zeichen von Misskommunikation irgendwelcher Art. Die Fertigstellung des Projekts schreitet gut voran, man ist im Zeitrahmen, und der deutsche Ingenieur bereitet sich auf seine Heimreise vor.
Zwei Tage vor seiner Abreise jedoch wird plötzlich offensichtlich, dass ein schwerwiegender Fehler gemacht worden ist, der die erfolgreiche Beendigung des Projektes zu gefährden droht, wenn er nicht noch vor seiner Abreise behoben wird. Noch kniffliger wird für ihn die Situation dadurch, dass er das Problem auf einen Fehler zurückführen kann, den die japanische Seite gemacht hat. Unter dem Druck, das Problem noch vor seiner Abreise lösen zu müssen, entwirft er drei mögliche Lösungswege, aus denen die japanische Seite einen auswählen soll, der dann umgehend implementiert wird und das Problem behebt. Er weiß, dass er in dieser Situation mit seinen japanischen Kollegen anders umgehen muss als er dies mit deutschen Kollegen tun würde. Er achtet darauf, dies auf eine sehr höfliche und indirekte Art zu tun. Er vermeidet beispielsweise Schuldzuweisungen, einen direkten Ton, und stellt sicher, dass seine möglichen Lösungswege, von denen seiner Meinung nach einer ausgewählt werden muss, als Vorschläge verstanden werden.
Im Gespräch mit seinem direkten japanischen Gegenüber stellt er also den ersten Lösungsweg vor, worauf der Japaner mit "ja" antwortet. Es gäbe jedoch auch eine zweite Möglichkeit die man ebenfalls in Erwägung ziehen sollte. Merkwürdigerweise sagt der Japaner auch zu dieser Lösung "ja". Schließlich stellt er den dritten Lösungsweg vor, und wieder bejaht sie sein Gegenüber. Mitterweile ist der deutsche Ingenieur sehr verwirrt und weiß nicht, wie er weiter vorgehen soll. Er möchte keinen ungebührlichen Druck auf seinen Kollegen ausüben, aber wenn das Projekt in dieser Form nicht scheitern soll, muss er in kürzester Zeit eine verlässliche Antwort von ihm haben, welcher Lösungsweg gegangen werden soll. Es würde für ihn eine große Enttäuschung bedeuten, von seinem ersten längeren Auslandseinsatz dieser Art nach Monaten produktiver Arbeit nach Deutschland zurückzukehren, ohne das Projekt vollendet zu haben. Die einzelnen Optionen werden zwar besprochen, aber trotz allem entscheidet sich sein japanischer Kollege nicht, und so muss er tatsächlich unverrichteter Dinge abreisen.
Was ist dort passiert? Wie würden Sie es erklären?
Der deutsche Ingenieur sagte uns, er hat dafür drei mögliche Erklärungen gefunden:
| Letzte Änderung dieser Seite: 02.01.2007 |
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